Kolumne
Schule – lernen für das Leben? · November 2005
Nicht für die Schule – für das Leben lernen unsere Kinder. Ein Leitspruch, der breite Akzeptanz findet. Aber wird er auch in die Realität umgesetzt?
Was wünschen sich Eltern, wenn es um die schulische Ausbildung ihrer Kinder geht?
Selbstverständlich sollen die Kinder fachlich gut ausgebildet werden und die grundlegenden Kulturtechniken wie das Schreiben, Lesen und Rechnen sicher beherrschen. Im weiteren Verlauf des Bildungsweges sind dann Fremdsprachenkenntnisse gefragt, Fertigkeiten am Computer und vertiefte Kenntnisse in den Naturwissenschaften und vieles mehr. Die Schüler sollen fachlich fit gemacht werden für das Studium oder einen unmittelbaren Einstieg ins Berufsleben.
Besonders begabte, besonders leistungsschwache, besonders durchschnittliche Schüler sollen individuell und angemessen gefördert werden, soweit dies in einem Klassenverband von rund 30 Schülern überhaupt möglich ist.
Natürlich sollen die Schüler gute Noten bekommen, schon wegen der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt. Und dies ist für viele Schüler, die gerade die erste flächendeckende Runde des 8-jährigen Gymnasiums durchlaufen, äußerst schwierig.
An Elternabenden wird deutlich, dass sich viele Lehrerinnen und Lehrer selbst unter Druck fühlen, den Lehrplan in der Kürze der Zeit zu erfüllen und dieser Druck wird an die Schüler weitergegeben, zum Beispiel in Form von unangekündigten Vokabeltests in außerordentlicher Häufigkeit.
Ist das wirklich notwendig? Wäre es nicht im Interesse der Kinder sinnvoller, das achtjährige Gymnasium und die in Klasse 6, 8 und 10 anstehenden Vergleichsarbeiten etwas entspannter zu sehen? Häufig ist der Leistungsdruck der Feind des Lernerfolgs.
Freilich, auch der Umgang mit Misserfolgen muss gelernt werden. Schüler müssen lernen, dass gute Noten ohne Einsatz – sprich: lernen – nicht zu haben sind und dass aufgeben nichts hilft. Andererseits aber, wenn man sein Möglichstes getan hat, ein Schulartwechsel nicht als Katastrophe gesehen werden muss.
Schülerinnen und Schüler lernen an den Schulen auch den Umgang mit Konflikten, bauen Freundschaften auf, erleben aber auch deren Zerfall, gliedern sich in kleinere und größere soziale Gruppen ein, lernen Verantwortung zu übernehmen, insbesondere für sich und ihr Handeln. Werte wie Ehrlichkeit werden vermittelt.
Bei allen Leitbildern und Profilen, die sich Schulen heutzutage geben, bleibt doch die Menschlichkeit an oberster Stelle.
Die Schulzeit kann eine glückliche Zeit für die Schüler sein, wenngleich Misserfolge und negative Erfahrungen sich selten gänzlich vermeiden lassen. Was Kinder brauchen, ist die Gewissheit, dass das Leben trotz allem schön ist.
Schüler, Eltern und Lehrer sind Menschen, denen es mal gut und mal schlecht geht und die gemeinsam sehr viel wertvolle Lebenszeit verbringen und ihre Erfahrungen miteinander machen. Und so lernen die Schüler nicht nur für das Leben, die Schule macht während der Schulzeit einen großen Teil ihres Lebens aus.
Ihr Andreas Breiding
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