Kolumne
"Blauer Brief" in Sicht? · Juli 2009
Noch eineinhalb Wochen bis zur Ausgabe der Versetzungszeugnisse.
Wie jedes Jahr steigt bei vielen Schülerinnen, Schülern und Eltern die Spannung: Gibt es nun doch noch eine Vier in Mathematik oder wird es eine Fünf? Wenn es dann noch eine Drei in Deutsch ist – statt der erhofften Zwei, dann ist alles verloren…
Alles verloren ist natürlich nicht, selbst wenn der Vermerk im Zeugnis lautet: nicht versetzt. Eltern und Schüler sollten sich trotz Enttäuschung – und vielleicht auch Ärger – klar vor Augen halten: Es gibt Schlimmeres im Leben, als nicht versetzt zu werden.
Dennoch kann eine Nichtversetzung von Sohn oder Tochter als persönliche Katastrophe empfunden werden. Für die Schüler geht mit der Nichtversetzung der Verlust der Klassenkameraden einher, auch wenn man sich weiterhin in der großen Pause sehen wird. Und irgendwie ist es ja auch peinlich, so offensichtlich schlechter als die anderen zu sein. Plötzlich ist der coole Spaßmacher ganz klein und die Schülerin, die immer über andere lachte, die auf Klassenarbeiten lernten, ist ganz ruhig.
Misserfolge zu verkraften ist nicht leicht – für Kinder und Jugendliche genauso wenig wie für Erwachsene. Aber sie gehören zum Leben und Ihr Kind ist gerade dabei dies zu lernen. Unterstützen Sie es dabei.
Möglicherweise wird Ihr Kind versuchen die Schuld an der Nichtversetzung auf andere, z.B. einzelne Lehrer, abzuwälzen. Das erleichtert die Situation vielleicht kurzfristig, bringt aber keinen Lernfortschritt für Ihr Kind.
Bei einer Nichtversetzung erhält Ihr Kind die Wirkung für die Ursachen, die es im Verlauf des Schuljahres gesetzt hat. Keine Nichtversetzung wird leichtfertig von den Lehrern in der Notenkonferenz an der Schule festgelegt. Sie ist das Ergebnis einer bestimmten Notenkonstellation, die laut Versetzungsordnung zur Nichtversetzung führt. Nicht selten blühen Schüler nach einer Nichtversetzung, wenn dann im September der Schock überwunden ist, richtig auf, weil sie seit langer Zeit wieder einmal das Gefühl haben, in der Schule richtig gut mitzukommen. Oft ändern diese Schüler ihre Einstellung zum Lernen komplett und wissen nun, dass ihnen nichts geschenkt wird und sie für ihre Lernerfolge arbeiten müssen.
Wenn Sie einen “blauen Brief” von der Schule erhalten, haben Sie die Möglichkeit, sich vorzeitig auf die Nichtversetzung Ihres Kindes einzustellen, so dass Sie vorbereitet sind und Kummer, Frust und Tränen Ihres Kindes auffangen können. Außerdem sollten Sie das Gespräch mit der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer Ihres Kindes suchen, soweit noch nicht im Vorfeld geschehen, notfalls telefonisch, um mit ihr oder ihm die weitere Vorgehensweise abzusprechen. Vielleicht ist ein Schulartwechsel sinnvoll.
Geben Sie Ihrem Kind und sich selbst Zeit für Gefühle der Enttäuschung, aber warten Sie nicht zu lange, bis Sie alles wieder in eine positive Richtung lenken. Bieten Sie Ihrem Kind an, mit ihm in den Sommerferien Schulstoff in den Problemfächern aufzuarbeiten oder melden Sie Ihr Kind zu einem Ferienkurs im Problemfach bei einer Nachhilfeschule an.
Dann bleibt immer noch genug Zeit um die Ferien zu genießen, aber Ihr Kind tut etwas für seinen Lernerfolg im kommenden Schuljahr, statt nur über verpasste Chancen zu grübeln.
Für weitergehende Fragen stehe ich Ihnen gerne unter Telefon 0721 – 2 88 00 (montags bis freitags von 14.15 bis 17.15 Uhr) zur Verfügung.
Ihr Andreas Breiding